Schrammelwoche KW5-7 mit Barrels, Dboy, Frankie valet, Habibi, Kvelertak, Messer, Personality Cult, Rotten Mind, Shadow Show, Shopping, Sleeping Bag & Rozwell Kid, Swutscher, The Men

Herzlich willkommen zu einer neuen Dreifachfolge der allseits beliebten Schrammelwoche. Ein paar Tage haben wir nix von uns hören lassen – dafür bekommt ihr jetzt die dreifache Dosis Schrammelrock. Viel Spaß mit Barrels, Dboy, Frankie valet, Habibi, Kvelertak, Messer, Personality Cult, Rotten Mind, Shadow Show, Shopping, Sleeping Bag & Rozwell Kid, Swutscher und The Men!

Barrels – s/t EP (Arctic Rodeo Recordings)

Fun Fact: Auf das Cover der selbstbetitelten EP der Hamburg Band Barrels hat sich doch glatt ein Schrammel Brother geschlichen (Liebe Grüße an Arne!). Nichtsdestotrotz versuchen wir uns hier selbstverständlich an einer möglichst objektiven Einordnung des Ganzen. Das weckt vor allem Erinnerungen an eine Zeit als Alternative noch ein wohlgemeinter Sammelbegriff für Gitarrenmusik der härteren Gangart war, die unsereins in den entsprechenden Spartensendungen der Musiksender konsumierte. Und da heute ja irgendwie alles retro ist und die Jungs auf jeden Fall wissen, wie man einen anständigen Rocksong schreibt, solltet ihr euch die Platte nicht entgehen lassen.

Dboy – New Records In Human Power (Dine Alone Records)

Der Boy bastelt weiter an seinem Imperium, das einzig und allein auf den drei Säulen des Rock’n’Roll basiert: Gitarre, Schlagzeug und Bass. Und auf der zweiten Platte meint er es richtig ernst: Jetzt will er sogar unser Geld – und einen Kuss auch noch! Ganz im Ernst: Spätestens mit „New Records In Human Power“ wird es praktisch unmöglich, sich dem Kult zu entziehen, sodass uns nichts Anderes übrig bleibt, uns zu ergeben und auf die Knie zu fallen. Album Nummer 2 klingt besser, schrammelt härter und wird auch die letzten Ungläubigen überzeugen. Dboy for President!

Frankie valet – Waterfowl (It Takes Time Records)

Mit ihrem zweiten Album „Waterfowl“ ist Frankie valet (ja, das soll so) ein kleines Fuzz-Pop-Juwel geglückt. Die Band aus St. Louis, Missouri, vereint Boy-/Girl-Gesang, Garagenrock, Indie-Pop und flippigen Post-Punk zu einer abwechslungsreichen Platte, die in so einer vollgestopften Release-Woche leider auch mal untergeht. Gut, dass ihr uns habt und dieses Kleinod entdecken dürft. Gern geschehen.

Habibi – Anywhere But Here (muddguts records)

Zugegeben, es gibt tausende von Garagen-Bands mit Girlgroup-Gesang und Sixties-Twang. Aber Habibi bleiben einfach eine der besten davon. Das liegt auch auf dem zweiten Album „Anywhere But Here“ zunächst an der verträumten Stimme von Rahill Jamalifard, aber auch an den vom mittleren Osten beeinflussten Melodien, die zwischen all den Surf- und Psych-Anleihen immer wieder aufblitzen und auf Jamalifards iranische Wurzeln zurückzuführen sind. Das Debüt „Habibi“ ist nicht umsonst einer der begehrsten Burger-Releases – die zweite Platte knüpft nahtlos an dessen Qualität an.

Kvelertak – Splid (Rise Records)

Nach dem Ausstieg von Erlend Hjelvik war klar, dass Kvelertak am Scheideweg stehen würden. Dabei war nicht die Frage, ob die Band einen Ersatz für ihren Sänger mit der enormen Bühnenpräsenz finden, sondern wie dieser sich einfügen würde – und wohin die Norweger ihren Sound nach „Nattesferd“ weiterentwickeln könnten. Schließlich gilt die letzte Platte vielerorts (wenn auch nicht hier) als Kvelertaks Meisterstück, wenngleich sie für meinen Geschmack schon immer etwas langweilig und wenig dynamisch war. Es scheint so, als hätte auch die Band daraus ihre Schlüsse gezogen und obige Frage einfach mit „alle Richtungen“ beantwortet. Dadurch ist auf „Splid“ allerdings auch viel „Hit or Miss“ dabei und nicht alles bleibt wirklich kleben. Unterm Strich macht „Splid“ schon Spaß, aber so richtig funktioniert der irre Mix leider nur bei wenigen Songs wie „Rogaland“, „Tevling“ oder „Ved Bredden av Nihil“.

Messer – No Future Days (Trocadero Records)

Mehr als drei lange Jahre ist es her, dass wir neue Musik der Gruppe Messer hören durften. Und jetzt sind also die „No Future Days“ da. Auf ihrem nun mehr vierten Album entfernen sich die Münsteraner von ihren Post-Punk-Wurzeln und wenden sich mehr Kraut (siehe Can – „Future Days“) und Dub zu. Das klingt produktionstechnisch fantastisch – dafür zeichnet Bassist Pogo McCartney verantwortlich, manchmal erratisch, irgendwie anders als Post-Punk im Jahr 2020, keinesfalls aber schlecht. Messer bleiben eine der wichtigsten deutschsprachigen Bands, allein dafür sollte man in „No Future Days“ mal reinhören.

Personality Cult – New Arrows (Dirtnap Records)

War Ben Carr alias Personalty Cult aus North Carolina auf seinem selbstbetitelten Debüt noch allein unterwegs, ist „New Arrows“ quasi das Werk einer echten Schrammelpunk-Supergroup: Hier mischen nämlich unter anderem Menschen von Mind Spiders, Bass Drum Of Death und Paint Fumes mit. Dementsprechend ist die Platte auch von vorne bis hinten ein absolutes Monster. Abfahrt!

Rotten Mind – Rat City Dog Boy (Lövely Records)

Rotten Mind kehren auf ihrem vierten Album zu alter Stärke und Rotzigkeit zurück, ohne dabei ihr gutes Gespür für Melodien und wavigere Sounds zu verheimlichen. „Rat City Dog Boy“ macht den Ausrutscher „Fading Into Oblivion“ wieder vergessen und wir drücken noch mal ein Auge zu.

Shadow Show – Silhouettes (Burger Records)

Case in point: Hier ist sie auch schon, die nächste Garagenrock-Combo mit weiblichem Gesang und Schrammelsound aus den Sechzigern. Shadow Show kommen aus Detroit und sind mit ihrem Debüt – wie könnte es anders sein – gleich mal auf unserem Lieblingslabel Burger Records gelandet. Das ist kein Wunder, ist „Silhouettes“ doch eine Sammlung mit echt guten Songs.

Shopping – All or Nothing (Fat Cat Records)

Wer glaubt, sozialkritische Songtexte und tanzbare Musik passen nicht zusammen, hat es vermutlich noch nicht mit Shopping zu tun bekommen. Ob mit minimalen, repetitiven Drumbeats, sägenden Synthie-Loops oder funkigen Bassläufen – auf ihrem vierten Album “All or Nothing” hat das britische Trio konstant einen amtlichen Groove am Start. Der Shopping-typische Wechselgesang rundet das Gesamtpaket ab.

Sleeping Bag & Rozwell Kid – Dreamboats 2: A Real Chill Sequel

Wie der Name schon sagt, haben sich Sleeping Bag und Rozwell Kid nun schon zum zweiten Mal zusammengetan. Und abermals sind dabei Songs rausgekommen, die besser als die der einzelnen Bands sind. Eins ist beim Hören sofort klar: Hier stand der Spaß im Vordergrund, denn herausgekommen sind sechs Stücke mit ultraknackigen Drums, zuckersüßen Slacker-Melodien und brachialem Fuzz.

Swutscher – Senf EP (La Pochette Surprise Records)

Swutscher geben mal wieder ihren Senf dazu, höhö. Nach „Wilde deutsche Prärie“ hatten wir schon die leise Vorahnung, dass den Hamburgern bald die Ideen ausgehen könnten. Doch wir haben uns getäuscht: Auf der neuen EP finden wir drei gute Songs, die den Sound wieder in die richtige Richtung treiben: weniger Polka, mehr Psych-Country-Rock. „Auf Achse“ punktet zwar nicht mit dem Refrain, dafür aber mit dem ganz unauffällig geklauten Creedence-Riff, „Schuften“ hat mal wieder einen genialen Text und „Nimmersatt“ einen geilen Doors-Vibe. Nur der „Affenkönig“ hinkt etwas hinterher.

The Men – Mercy (Sacred Bones)

Sind The Men eine der besten Bands aller Zeiten? Es gibt nur eine richtige Antwort auf diese Frage und sie lautet „JA!“ Mit den sieben Liedern von „Mercy“ deuten sie ihre Rückkehr zum Schrammelrock zumindest an und liefern dabei unter anderem so großartige Nummern wie „Breeze“ ab. Doch wieder verwirren sie uns und machen Abstecher in traurigen Piano-Pop, Country und Folk-Miniaturen. All das scheint jedoch mit Leichtigkeit zu gelingen und zeigt, was für eine irrsinnig talentierte Band dies ist.