Schrammelwoche KW16/17 mit Abramowicz, Ausmuteants, The Briefs, Hash Redactor, Judy And The Jerks, Kevin Morby, King Gizzard And The Lizard Wizard, Oidorno, Real Blood, Sunn O))).

Ob Fuzz, Punk oder Doom, ob Album, Compilation oder EP – jede Woche haben wir für euch Schrammelplatten, die man sich anhören sollte. Heute mit Abramowicz, Ausmuteants, The Briefs, Hash Redactor, Judy And The Jerks, Kevin Morby, King Gizzard And The Lizard Wizard, Oidorno, Real Blood und Sunn O))).

Abramowicz – The Modern Times (Radicalis)

Da ist er also: Abramowicz aus Hamburg veröffentlichen mit “The Modern Times” ihren ersten echten Longplayer. Während in der Vergangenheit der Einfluss musikalischer Vorbilder wie The Gaslight Anthem oder Bruce Springsteen in ihren Songs deutlich präsent war, haben die 10 Songs zwischen Punk-, Indie- und Heartland-Rock auf “The Modern Times” an eigener Handschrift dazu gewonnen. Die wird vor allem durch das ausgereifte Zusammenspiel zwischen der markigen Stimme von Sänger Sören und den sehr gut arrangierten Melodien bestimmt.

Ausmuteants – … Present The World In Handcuffs (Anti Fade Records)

Die irren Synthiepunks aus Melbourne sind wieder da und sie haben ein verrücktes Konzeptalbum über Bullen mitgebracht. Ja, jeder Song auf der Platte dreht sich tatsächlich um den „Freund und Helfer“ und ist komplett aus der Sicht eines korrupten Polizisten geschrieben. Musikalisch verlassen Ausmuteants ihren Modus Operandi jedoch nicht: Es gibt zackigen Garagenpunk und hin und wieder ein paar Synthie-Sounds – seit jeher das Markenzeichen der Band.

The Briefs – Platinum Rats (Burger Records/Damaged Goods)

Nachdem The Briefs 2018 ihre mehr als 10 Jahre andauernde Bandpause beendet haben, folgt mit “Platinum Rats” nun auch das überfällige Comeback-Album. Nach altbewährter Formel schrammeln sich die Seattle-Punks durch 12 neue Songs. Echter kann man rotzigen Punkrock im Geiste von ‘77 wohl nicht zelebrieren. Dazu empfehlen wir Dosenbier.

Hash Redactor – Drecksound (Upset The Rhythm)

Prominentes Personal hat sich unter dem Namen Hash Redactor zusammengefunden: Da ist zum einen Alec McIntyre von Ex-Cult an der Gitarre und am Mikrofon, zum anderen NOTS-Mitglieder Meredith Lones am Bass und Charlotte Watson an der Schießbude. Die zweite Gitarre übernimmt George Williford. „Drecksound“ klingt wie es heißt: schön räudig und immer nach vorne. Starkes Debütalbum dieser Quasi-Supergroup aus Memphis.

Judy And The Jerks – Music For Donuts EP (Thrilling Living Records)

Kurzweilige, dreckige Punk-Schelle aus Hattiesburg. Nach einigen ersten Tapes ist „Music For Donuts“ das Vinyldebüt von Judy And The Jerks. Die sechs Songs brettern mit Vollkaracho in die Gehörgänge und kommen da auch so schnell nicht wieder raus. Dass hier jemand Spaß hat, kann man jedenfalls deutlich hören.

Kevin Morby – Oh My God (Dead Oceans)

Von den reduzierten Songs mit Akustikgitarre seiner Anfangstage hat sich Kevin Morby auf seiner fünften Platte meilenweit entfernt. „Oh My God“ ist das bislang dichteste und am reichsten instrumentierte Album des Mannes aus Texas – beim Titeltrack gibt es sogar einen richtigen Chor. Was bleibt sind Morbys unnachahmlicher Vortrag, die Melodien und die Geschichten, die er in seinen Songs erzählt.

King Gizzard And The Lizard Wizard – Fishing For Fishies (Flightless)

Bei jedem neuen Album von KGATLW muss man sich erneut fragen: Was nehmen die, was wir nicht haben? „Fishing For Fishies“ spinnt den Psychrock-Wahnsinn der Australier abermals mit irren Wendungen weiter, nicht ohne sich Abstecher in Blues-Gefilde, Glam-Rock und 70s Pop zu leisten. Und wenn einer das kann, dann sind es die sieben Bekloppten aus Down Under.

Oidorno – Le roi c’est moi (Audiolith)

Deutschlands beste (und einzige?) Diskurs-Oi-Truppe legt ihre zweite EP vor. Die Texte sind wie gewohnt herrlich rotzig, sodass ich jetzt schon wieder Bierdurst habe. In Sachen Produktion und Mitgrölfaktor könnten hier und da die Vocals ein bisschen mehr aus dem Mix hervorstechen – aber andererseits wäre das auch nicht real. In diesem Sinne: Alles auf Oi.

Real Blood – This Is Gonna Hurt EP

Real Blood beglücken uns mit drei punkigen Indie-Rock-Perlen mit leichtem Sludge-Einschlag. Die Band um Kerry Kalberg (Ex-Flagland) stammt aus New York und schafft es hier mit ihrem ersten Release, Krach und Pop auf sehr unterhaltsame Weise zu verbinden. Die behalten wir mal auf dem Schirm.

Sunn O))) – Life Metal (Southern Lord)

Die obligatorische Doom-Walze kommt diese Woche von Sunn O))), die sich nach vier Jahren Durststrecke mit ihrem epochalen Werk „Life Metal“ zurückmelden. Wie üblich sind wenig Song-Strukturen zu erkennen, dafür rummst und brummt es umso schöner in der Magengegend. Perfekt, um Sonntagnachmittag nach einem durchgeschrammelten Wochenende auf der Couch wegzuschnarchen.