Glotzen: Wildes Herz mit Monchi von Feine Sahne Fischfilet

So ihr Pfeifen, heute gibt’s mal was zu glotzen. Wir haben uns für euch vorab schon mal die Premiere von „Wildes Herz“ reingezogen, das Filmporträt über Monchi, seines Zeichens Frontmann von Feine Sahne Fischfilet. Damit wäre das erste Missverständnis schon mal ausgeräumt, denn der Film von Charly Hübner ist mitnichten eine „Rockumentary“ über die Ska-Punk-Band aus Jarmen, auch wenn diese natürlich eine prominente Rolle spielt.

Stattdessen zeichnet „Wildes Herz“ den Werdegang von Jan „Monchi“ Gorkow nach – von Kindesbeinen an bis heute. Wichtige Stationen sind dabei das Elternhaus in Jarmen, der Fußballplatz und später die Hooligan-Szene von Hansa Rostock. Wirkt das Porträt anfangs noch etwas zerfasert und in seiner Zusammenstellung der einzelnen Lebensabschnitte des Sänger etwas durcheinander, kommt er schon bald immer mehr in Fahrt. Inhaltliche Klammer, die dem Film die dringend benötigte Struktur gibt, ist die Wahlkampftour „Noch nicht komplett im Arsch“: 2016 eierten Feine Sahne Fischfilet im Vorfeld der Landtagswahlen in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern über die Dörfer, um alles in ihrer Macht zu tun, um den Einzug von AfD und NPD ins Parlament zu verhindern. Was dabei rausgekommen ist, wissen wir ja leider.

Wildes Herz: Arsch aufreißen gegen Rechts

Der Band – allen voran Monchi – dabei zuzusehen, wie sie trotzdem nicht aufgibt und sich gegen Rechts reinhängt, macht trotzdem Bock und auch ein bisschen Mut für die Zukunft in Horsts Heimatmuseum. Nicht von ungefähr ist die Sympathie Hübners zu Monchi unübersehbar. Doch der Filmemacher schont den Sänger keineswegs. Im Gegenteil: Der Film zeigt klar und deutlich, dass der Dicke kein Engel ist. Nicht falsch verstehen – Monchi kommt mit seinen Fehltritten als absoluter Sympathieträger rüber. Hübner tappt zum Glück aber nicht in die Falle, ihn als Heiligen der Antifa zu verklären. Und das tut dem Film gut.

Überhaupt ist „Wildes Herz“ über weite Strecken extrem unterhaltsam, was vor allem an Monchis großer Klappe liegt. Darüber hinaus gelingt es, dem durchschnittlichen Großstadt-Feierabend-Punk mit ätzendem Bürojob mal wieder vorzuhalten, in was für einer gemütlichen Blase er lebt – und wie wenig man sich im Alltag doch für die Gute Sache engagiert. Musikalisch kann man von Feine Sahne Fischfilet ja halten, was man will. „Wildes Herz“ ist ein dennoch mitreißendes Porträt über den Frontmann einer der derzeit wichtigsten deutschen Bands.

Dosenbier-Faktor: Alles Paletti!

„Wildes Herz“ läuft am Donnerstag, dem 12. April im Kino.